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Was ist OPC UA?

OPC UA verbindet Maschinen, Steuerungen und IT-Systeme über Hersteller- und Plattformgrenzen hinweg. Der Standard sorgt dafür, dass industrielle Daten sicher, strukturiert und zuverlässig ausgetauscht werden können.

Aktualisiert am 10 Min. LesezeitSync Motion GmbH
OPC UAIEC 62541Industrielle KommunikationOT/IT-IntegrationSiemens S7-1500

Was ist OPC UA?

OPC UA ist ein umfassender Kommunikationsstandard für industrielle Systeme. Er legt fest, wie Daten zwischen Maschinen und IT-Systemen ausgetauscht werden – unabhängig von Hersteller, Betriebssystem oder Programmiersprache.

Dafür definiert OPC UA nicht nur den Datentransport, sondern auch Datenmodelle, Sicherheitsmechanismen und ein einheitliches Modell zur Beschreibung von Maschineninformationen.

So können zum Beispiel eine Siemens-SPS, ein Beckhoff-IPC und ein Python-Skript auf einem Linux-Server über OPC UA Daten austauschen – ohne proprietäre Middleware oder herstellerspezifische Schnittstellen.

Wofür steht OPC UA?

OPC steht heute für Open Platform Communications, UA für Unified Architecture.

Open bedeutet: Der Standard ist öffentlich dokumentiert und frei nutzbar. Unified Architecture bedeutet: OPC UA fasst die früher getrennten OPC-Classic-Bestandteile (z. B. OPC DA, OPC AE und OPC HDA) in einem gemeinsamen Standard zusammen.

Der Standard wird von der OPC Foundation entwickelt und gepflegt. In dem Industriekonsortium arbeiten Unternehmen aus Automatisierung, IT und Industrie-Software zusammen, darunter Siemens, Rockwell Automation, Beckhoff, Microsoft und ABB.

Wie funktioniert OPC UA?

OPC UA unterstützt zwei Kommunikationsmodelle: Client-Server für direkte Abfragen und Pub/Sub für das Verteilen von Daten an mehrere Empfänger.

Client-Server

Ein Client fragt gezielt Daten bei einem OPC-UA-Server ab. Das ist der typische Fall für HMI, SCADA, MES oder Diagnose-Tools.

Pub/Sub

Ein System veröffentlicht Daten, ohne jeden Empfänger direkt zu kennen. Das passt besser für verteilte Anlagen, Edge-Systeme oder Cloud-Anbindungen.

Übertragung

OPC UA kann verschiedene Wege nutzen: OPC-UA-TCP im lokalen Netzwerk, HTTPS für webnahe Anbindungen sowie MQTT oder AMQP für Pub/Sub-Szenarien.

OPC UA Informationsmodell

Das Informationsmodell ist einer der wichtigsten Unterschiede zu anderen Protokollen wie Modbus. OPC UA überträgt nicht nur Werte, sondern beschreibt auch, was diese Werte bedeuten.

Ein OPC-UA-Server stellt seine Daten in einem Adressraum bereit. Dieser Adressraum ist keine flache Liste von Registern oder Tags, sondern eine strukturierte Sammlung aus Knoten und Verbindungen zwischen diesen Knoten.

NodeId

Die eindeutige Adresse eines Knotens im OPC-UA-Adressraum.

NodeClass

Die Art des Knotens, zum Beispiel Variable, Objekt, Methode oder Typ.

Attribute

Informationen wie aktueller Wert, Datentyp, Zeitstempel und Qualität.

Referenzen

Beziehungen zu anderen Knoten, etwa zu Baugruppen, Zuständen oder Methoden.

Dadurch beschreibt sich ein OPC-UA-Server zu einem großen Teil selbst. Ein Client kann den Adressraum durchsuchen und erkennen, welche Daten, Zustände und Funktionen ein System anbietet.

Eine Presse kann zum Beispiel ihre Achsen, Betriebszustände und Methoden strukturiert bereitstellen. Ein MES- oder SCADA-System muss diese Informationen dann nicht als lose Tag-Liste interpretieren, sondern kann sie im Modell des Servers finden.

OPC UA Client-Server

Im Client-Server-Modell verbindet sich ein Client aktiv mit einem Server und fordert Daten an oder schreibt sie.

Typische Abläufe:

  • Browse: Der Client liest den Adressraum des Servers und entdeckt verfügbare Datenpunkte.
  • Read: Der Client liest den aktuellen Wert eines oder mehrerer Knoten.
  • Write: Der Client schreibt einen Wert in einen Knoten (z.B. Sollwert setzen).
  • Subscribe: Der Client abonniert Datenpunkte. Der Server sendet Änderungen automatisch – ohne dass der Client dauerhaft pollen muss.
  • Call: Der Client ruft eine Methode auf dem Server auf (z.B. „Rezept aktivieren“).

Das Client-Server-Modell ist ideal für direkte 1:1- oder 1:n-Verbindungen zwischen Maschinen und übergeordneten Systemen im lokalen Netzwerk.

OPC UA Pub/Sub

Mit OPC UA Pub/Sub (eingeführt in Teil 14 der Spezifikation) ergänzt OPC UA ein publish/subscribe-Modell – ähnlich wie MQTT, aber mit dem strukturierten OPC UA Informationsmodell.

  • Publisher schickt Datenpakete (NetworkMessages) an einen Broker oder per UDP Multicast.
  • Subscriber empfängt die passenden Nachrichten, ohne direkt mit dem Publisher verbunden zu sein.

So kann eine SPS ihre Daten einmal veröffentlichen, während mehrere Systeme sie gleichzeitig nutzen – zum Beispiel SCADA, eine Zeitreihendatenbank oder eine Cloud-Anwendung.

Sparkplug B ist eine separate MQTT-Spezifikation für Topic-Struktur, Payload und Sitzungsstatus. OPC UA Pub/Sub über MQTT verwendet OPC-UA-JSON- oder UADP-NetworkMessages. Ein Gateway kann zwischen beiden übersetzen, Sparkplug ist aber kein OPC-UA-Pub/Sub-Mapping.

OPC UA Sicherheit

OPC UA behandelt Sicherheit als festen Bestandteil des Standards, nicht als nachträgliche Erweiterung.

BereichUmsetzung
OPC-UA-TCP-KanalsicherheitOPC UA Secure Conversation mit Sign oder SignAndEncrypt
HTTPS und WebSocketsTransportsicherheit über TLS
MQTT Pub/SubTLS zum Broker; UADP kann zusätzlich Ende-zu-Ende-Nachrichtensicherheit bieten
ApplikationsauthentifizierungX.509-Applikationszertifikate
BenutzerzugriffAnonym, Zugangsdaten, Zertifikate und rollenbasierte Berechtigungen je nach Profil und Server

OPC UA nutzt Zertifikate, damit Server und Clients ihre Identität nachweisen können. Beim Verbindungsaufbau wird geprüft, ob das Zertifikat der Gegenseite vertrauenswürdig ist – ähnlich wie bei HTTPS im Browser.

Zertifikate müssen verwaltet werden. In kleinen Anlagen passiert das oft manuell. In größeren Umgebungen werden Zertifikate meist über eine PKI-Infrastruktur oder ein zentrales Zertifikatsmanagement verteilt und erneuert.

OPC UA vs. MQTT, OPC DA, Modbus, PROFINET

OPC UAMQTTOPC DAModbusPROFINET
StandardisierungOPC Foundation, IEC 62541OASISOPC Foundation, OPC ClassicModbus OrganizationPI, IEC 61158/61784
InformationsmodellStrukturiert, selbstbeschreibendKein eigenes; Topics und PayloadFlache Items/TagsRegisteradressenGeräte- und Applikationsprofile
SicherheitIntegriert (OPC UA Secure Conversation, Zertifikate)Über TLS und Broker-ZugriffWindows DCOMIm Basisprotokoll nicht vorgesehenPROFINET Security und Netzwerksegmentierung
PlattformPlattformunabhängigPlattformunabhängigWindows/COM-DCOMBreit unterstütztHerstellerübergreifend, Industrial Ethernet
EinsatzMaschinen- und OT/IT-IntegrationIoT-Telemetrie, IIoTLegacy SCADAFeldgeräte, BrownfieldEchtzeit-Kommunikation im Feld
ZeitverhaltenMillisekunden, abhängig von Stack und NetzwerkMillisekunden bis Sekunden, je nach Broker und QoSMillisekunden, abhängig von Windows/DCOMMillisekunden, abhängig von Polling und BusEchtzeitfähig bis IRT

OPC UA vs. MQTT

OPC UA und MQTT lösen unterschiedliche Aufgaben. OPC UA eignet sich, wenn industrielle Daten strukturiert beschrieben und direkt aus Maschinen oder Steuerungen gelesen werden sollen. MQTT eignet sich, wenn Daten effizient an mehrere Systeme verteilt werden sollen – zum Beispiel an Cloud-Anwendungen, MES oder Datenbanken. In vielen Architekturen werden beide kombiniert: OPC UA für die Maschinenanbindung, MQTT für die Weitergabe der Daten.

OPC UA vs. OPC DA

OPC DA ist die ältere Windows-basierte OPC-Variante. Sie basiert auf COM/DCOM und ist eng an klassische Windows-Umgebungen gebunden. OPC UA ersetzt diesen Ansatz durch eine plattformunabhängige Architektur mit integriertem Sicherheitsmodell und strukturiertem Informationsmodell.

OPC UA vs. Modbus

Modbus ist einfach und robust, beschreibt Daten aber kaum selbst. Ein Register liefert in der Regel nur Adresse und Wert; Bedeutung, Einheit und Kontext müssen außerhalb des Protokolls gepflegt werden. OPC UA kann diese Informationen direkt im Modell bereitstellen. In Brownfield-Anlagen mit bestehenden Modbus-Geräten ist oft ein Gateway sinnvoller als der Austausch funktionierender Hardware.

OPC UA vs. PROFINET

PROFINET und OPC UA lösen unterschiedliche Aufgaben. PROFINET verbindet Steuerungen mit Feldgeräten wie Antrieben, I/O-Modulen und Sensoren in Echtzeit. OPC UA verbindet Maschinen und Steuerungen mit SCADA, MES, ERP oder Cloud-Systemen. In modernen Anlagen laufen deshalb oft beide: PROFINET im Feld, OPC UA in Richtung IT und übergeordnete Systeme.

OPC UA in der Praxis: SPS, SCADA, MES, Gateway

SPS

Moderne Steuerungen wie die Siemens S7-1500, Beckhoff CX-Serie oder B&R X20 haben OPC-UA-Server integriert. Die SPS stellt ihren Adressraum direkt bereit. SCADA- oder MES-Systeme können sich verbinden und Datenpunkte lesen, ohne zusätzliche Hardware.

SCADA

SCADA-Systeme wie Ignition, WinCC Unified oder Zenon unterstützen OPC UA direkt. Der Vorteil: Steuerungen unterschiedlicher Hersteller lassen sich über dieselbe Schnittstelle anbinden.

MES und ERP

MES-Systeme nutzen OPC UA für den Datenabruf aus der Produktion – Stückzahlen, Ausschuss, Maschinenzustände, Rüstzeiten. Die strukturierten Informationsmodelle (z. B. umati für Werkzeugmaschinen) machen das ohne manuelle Tag-Konfiguration möglich.

OPC UA Gateway

In Brownfield-Anlagen ohne integrierte OPC-UA-Unterstützung ist ein Gateway oft der einfachste Weg. Es verbindet bestehende Schnittstellen wie Modbus, PROFIBUS, S7 oder MQTT mit OPC UA und stellt die Daten als OPC-UA-Server bereit. Die Steuerungslogik bleibt unverändert, die Anlage kann weiterlaufen.

OPC UA und Industrie 4.0

OPC UA ist ein zentraler Interoperabilitätsstandard für Industrie 4.0 und IIoT. Mehrere Initiativen bauen direkt darauf auf:

  • umati (universal machine technology interface) – eine Initiative für offene, standardisierte Schnittstellen auf Basis von OPC UA Companion Specifications, unter anderem für Werkzeugmaschinen, Roboter und Kunststoffmaschinen.
  • RAMI 4.0 – das Referenzarchitekturmodell für Industrie 4.0 der Plattform Industrie 4.0 nutzt OPC UA als wichtigen Standard für die Kommunikationsschicht.
  • Manufacturing-X – eine Initiative für offene, souveräne Datenräume in industriellen Wertschöpfungsketten. OPC UA und AAS sollen Maschinendaten zwischen Unternehmen und Systemen einheitlich nutzbar machen.
  • Asset Administration Shell (AAS) – ein standardisiertes Modell für digitale Zwillinge von Maschinen, Komponenten und Anlagen. Zusammen mit OPC UA lassen sich Asset-Informationen einheitlich bereitstellen.

Kurz gesagt: OPC UA verbindet Maschinen, Anlagen und IT-Systeme; im Zusammenspiel mit MQTT, Edge, Datenplattformen und Governance wird daraus eine belastbare Industrie-4.0-Architektur.

OPC UA mit Siemens und TIA Portal

Bei unterstützten S7-1500-CPUs steht der OPC UA Server ab Firmware V2.0 zur Verfügung. Er ist standardmäßig deaktiviert und für den Betrieb ist eine CPU-abhängige Runtime-Lizenz erforderlich. Die Konfiguration erfolgt im TIA Portal:

  1. OPC UA Server in den CPU-Eigenschaften aktivieren.
  2. Adressraum definieren: Welche Variablen werden exponiert?
  3. Sicherheitseinstellungen: Zertifikate, Authentifizierung, Security Mode.
  4. Optional: OPC UA Client auf der SPS für Maschine-zu-Maschine-Kommunikation.

Ältere Steuerungen wie die S7-300 oder S7-400 haben keine integrierte OPC-UA-Unterstützung. In solchen Fällen wird meist ein externes OPC-UA-Gateway oder Wrapper eingesetzt, zum Beispiel auf einem IPC mit S7-Kommunikation.

Die Siemens-Dokumentation im TIA Portal ist ausführlich. In der Praxis liegt die größte Hürde oft beim Zertifikatsmanagement, besonders in Umgebungen ohne zentrales PKI-Management.

Bekannte OPC UA Tools und Stacks

Das OPC UA Ökosystem reicht von freien Tools für Tests und Prototypen bis zu kommerziellen, zertifizierten Stacks für den produktiven Einsatz.

Freier Client

UaExpert

Der Standardclient (Unified Automation) zum Browsen von OPC UA Servern, kostenlos für Windows.

Python-Stack

FreeOpcUa

Python-Stack für OPC UA Client und Server, gut für Prototypen und Integrationsprojekte.

Open Source / Embedded

open62541

Open-Source C-Implementierung, geeignet für Embedded-Systeme und produktiven Einsatz.

Java-Stack

Eclipse Milo

Java-Stack der Eclipse Foundation für Client- und Server-Implementierungen.

Kommerzielle SDKs

Unified Automation & Prosys

Unified Automation (C++/.NET) ist weit verbreitet in Produkten. Prosys OPC UA bietet einen Java-Stack und einen Simulation Server für Tests.

Gateway

Kepware / KEPServerEX

OPC UA Gateway für hunderte Protokolle, weit verbreitet in SCADA-Umgebungen.

Häufige Fragen

Was ist OPC UA einfach erklärt?

OPC UA ist eine gemeinsame Sprache für Industriemaschinen und IT-Systeme. Statt proprietärer Schnittstellen pro Hersteller können SPS, SCADA, MES und Cloud-Plattformen über OPC UA miteinander kommunizieren – sicher, strukturiert und plattformunabhängig.

Was ist der Unterschied zwischen OPC UA und OPC DA?

OPC DA ist der veraltete Vorgänger – Windows-only, auf DCOM basierend, ohne Sicherheit. OPC UA ist der vollständige Nachfolger: plattformunabhängig, mit integrierter Sicherheit und einem strukturierten Informationsmodell.

Ist OPC UA dasselbe wie MQTT?

Nein. OPC UA ist ein umfassender Standard mit Informationsmodell, Sicherheit und Kommunikationsmodellen. MQTT ist ein Pub/Sub-Protokoll für die effiziente Weitergabe von Nachrichten. In vielen Architekturen werden beide kombiniert: OPC UA für die Maschinenanbindung, MQTT für die Weitergabe der Daten.

Welche SPS unterstützt OPC UA direkt?

Siemens S7-1500 (ab Firmware V2.0), Beckhoff TwinCAT 3, B&R X20/X90, Schneider Electric Modicon M580 und ABB AC500 V3 unterstützen OPC UA direkt. Für ältere Steuerungen ohne integrierte OPC-UA-Unterstützung ist ein OPC-UA-Gateway oft der einfachste Weg.

Ist OPC UA sicher?

OPC UA behandelt Sicherheit als festen Bestandteil des Standards. Nachrichtensignierung und -verschlüsselung, Zertifikate und Berechtigungen sind vorgesehen. Entscheidend ist aber die Konfiguration: Ein OPC-UA-Server mit Security Mode None in einem unsegmentierten Netzwerk bleibt unsicher, unabhängig vom Protokoll.

Was kostet OPC UA?

Die Spezifikation ist frei verfügbar. Es gibt kostenlose Open-Source-Stacks wie open62541, FreeOpcUa und Eclipse Milo. Kommerzielle SDKs und zertifizierte Stacks kosten Lizenzgebühren, sind aber für viele Produktanwendungen sinnvoll. Für den Betrieb des OPC-UA-Servers einer Siemens S7-1500 ist eine CPU-abhängige Runtime-Lizenz erforderlich.